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3.September 2002
Fremde Heimat-der Mensch im Exil
Was ist eigentlich Heimat? Wo finde ich sie? Gibt es nur ein Heimatland? Kann ich es wechseln?
Wer sich solche Fragen stellt und darauf Antworten erfahren möchte, sollte sich am August/September auf den Weg in die Rantumer Sylt-Quelle machen. Erleben Sie, wie Menschen sich in neuen Lebenswelten zurechtfinden oder am Exil scheitern, wie Gewalt und Intoleranz Dissidenten zu neuen Ufern, neuen Erfahrungen und Utopien führen, wie fremd das Vertraute erscheint und doch nicht loslässt. 10 x heißt es Film ab in der Produktionshalle. Umrahmt werden die Filme rund ums erzwungene oder auch freiwillige Exil durch Lesungen und Dokumentationen zum Thema. Wir zeigen Spielfilme, Literaturverfilmungen und Dokumentationen und lassen in Lesungen Exilanten der Vergangenheit aber auch moderne Vagabunden zu Wort kommen.
25. August
21:00 Uhr
Mapantsula
Mapantsula predigt nicht den Widerstand, sondern beschreibt ein paar Wochen aus dem Leben des Schwarzen Panic, der in Soweto in den Tag hinein lebt und plötzlich während einer Demonstration zufällig verhaftet wird. Er entwickelt im Angesicht der brutalen Unterdrückung politisches Bewusstsein und Zivilcourage...
Ein Film voller Authentizität, Humor und Brisanz, ein Film der zum Nachdenken anregt und auch den Zuschauern, denen Südafrika fern ist, einen tiefen Einblick in den Apartheidstaat vermittelt.
26. August
21:00 Uhr

Südafrika 2001
Regie: Oliver Schmitz
100 min, Afrikaans mit englischen Untertiteln
nach dem Film Diskussion mit dem Regisseur Oliver Schmitz
Hijack Stories erzählt die Geschichte eines schwarzen Schauspielers, der sich um die Hauptrolle in einem Gangsterfilm bewirbt und auf den Straßen Sowetos bei dem Gangster-Boss Zama in die "Lehre" geht. Selber gebildet und aus der Mittelklasse beteiligt er sich an Raubüberfällen und Autodiebstahl und gerät in immer größere Schwierigkeiten...
Hijack Stories beschreibt das immer noch trostlose Leben in den Townships, die mangelnden Chancen für die Mehrheit der Südafrikaner und die Gewaltverherrlichung in den Medien Südafrikas.
27. August
21:00 Uhr

Deutschland 2001
Regie: Volker Koepp
93 min
"Kurische Nehrung" ist eine Entdeckungsreise in eine vergessene Gegend auf einem schmalen Landstrich, der allen Winden ausgesetzt ist. Auf seiner Reise zwischen Ostsee und Haff trifft Volker Koepp verschiedene Personen, die mit ihren Erzählungen die Geschichte dieses Landstrichs wieder lebendig machen: Kuren, Litauer, Russen, Deutsche. Damit gibt er dieser beeindruckenden Gegend ein Gedächtnis und zeigt die nostalgische Schönheit einer mythischen Landschaft.
29. August
21:00 Uhr

Frankreich, Belarus 1993
Regie: Yolande Zauberman
105 min, OmU (jiddisch, polnisch, russisch)
In Schwarzweiß und sattem Cinemaskope lässt Yolande Zauberman die Welt eines ostpolnischen Schtetls am Anfang der 30er Jahre wieder auferstehen. Ivan und Abraham sind zwei Jungen: der eine Christ, der andere Jude. Die Unbedingtheit und das Ungestüm dieser Freundschaft werden zum nicht zu erschütternden utopischen Kern dieses Films, der die verschwundene Lebensweise in voller Lebendigkeit und Selbstverständlichkeit schildert. Gegen die Banalität und Brutalität des Vorurteils setzt Zauberman die trotzige Lebenswut der beiden Freunde.
30. August
21:00 Uhr

Deutschland/Schweiz 1991
Regie: Stefan Schwietert
87 min, Schwarzweiß OmU (englisch)
A Tickle in the Heart erzählt aus dem Leben der drei Epstein-Brothers, der berühmtesten Klezmer-Formation in den USA. Die Musiker erzählen über ihr heutiges Leben in den USA, über die Urspünge der Klezmermusik in den Schteteln Osteuropas, begeben sich mit dem Regisseur auf die Suche nach ihren eigenen Wurzeln nach Pinsk im heutigen Weißrussland. Der Dokumentarfilm zeigt daneben wundervolle Momentaufnahmen aus Konzerten und besticht durch berückende Bilder und den sprichwörtlichen jüdischen Humor dieser drei sympathischen Männer.
31. August
21:00 Uhr

Deutschland 1999
Regie: Volker Koepp
126 min
Einst ein Zentrum jüdischer Kultur in der Bukowina war Czernowitz in der West-Ukraine ein Ort, an dem Ukrainer, Polen, Rumänen, Deutsche und Juden zusammenlebten. "Es ist eine Region, in der Menschen und Bücher leben" beschrieb der Dichter Paul Celan einst die verlorenen Welt seiner Jugend. Der Film porträtiert zwei der nur noch wenigen Juden aus dem alten Czernowitz, die noch heute dort leben, Herrn Zwilling und Frau Zuckerman. Sie sind nicht nur alte Freunde sondern teilen beide ihre Liebe für die deutsche Sprache. Herr Zwilling besucht abends Frau Zuckerman, um über Politik, Literatur, die alten Zeiten und ihre täglichen Nöte zu sprechen. Beider Lebensgeschichten sind voll von den Problemen aber auch voll der Hoffnungen des 20. Jahrhunderts.
1. September
21:00 Uhr

Deutschland, 2001
Regie: Caroline Link
140 min
Der deutsch-jüdische Rechtsanwalt Walter Redlich flieht vor den Nationalsozialisten nach Kenia und holt später seine Frau und seine Tochter zu sich in den afrikanischen Busch. Das harte Leben auf der abgelegenen Farm, die sprachlichen Schwierigkeiten und die fremde Mentalität stellen die Familie auf eine harte Probe, erst die Horrormeldungen aus Deutschland machen deutlich, wie das ungeliebte Exil die Familie vor dem grausamen Tod gerettet hat...
Die Tochter Regina und ihre Freundschaft mit dem einheimischen Koch Owuor beschrieben die Hoffnung, in der Fremde eine neue Heimat zu finden. Auch die beeindruckenden Bilder aus den Weiten Afrikas machen diesen Film sehenswert.
2.September
21:00 Uhr

Frankreich/Deutschland/Algerien 2000
Regie: Rachid Bouchareb
98 min
Der Afrikaner Alloune ist 65 Jahre alt und arbeitet als Touristenführer im Museum der berüchtigten Sklaveninsel Goreé vor Dakar. Er will den Spuren seiner Vorfahren folgen, die als Sklaven nach Nordamerika verschleppt wurden und gelangt so über South Carolina nach Little Senegal in New York. Er recherchiert den Stammbaum und findet seine entfernte Verwandte Ida, eine resolute Frau in seinem Alter...
Zwei Kulturen prallen nun aufeinander: die traditionsbewussten Familienwerte des Afrikaners Alloune und der großstädtische Überlebenskampf der Afro - Amerikanerin Ida, die sich eigentlich für etwas besseres hält.
3.September
21:00 Uhr

Frankreich 1999
Regie: Eric Valli
In wunderschönen Bildern erzählt dieser Film von der Schönheit auf dem Dach der Welt und vom Leben der Menschen, die ihren Lebensrhythmus über Jahrhunderte beibehalten haben. Es ist die Geschichte eines Jungen, der nach dem Tod seines Vaters dessen Position als Karawanenführer erben soll und seines Großvaters, der bedingungslos die alten Traditionen bewahren möchte...
Ein Heimatfilm im besten Sinne des Wortes, der ein Leben im Einklang mit der Natur und mit den Traditionen eine alten Volkes der Rastlosigkeit und Entwurzelung unserer heutigen Welt entgegensetzt.
4.September
21:00 Uhr

Deutschland 2000
Regie: Solveig Klassen
89 min
Die ungewöhnliche Liebesgeschichte eines tibetischen Lamas und einer deutschen Punkmusikerin ist Thema dieses Dokumentarfilms. Solveig Klassen begleitete das Paar in seine Vergangenheit und in seinen gegenwärtigen Alltag. Die Berlinerin Sandra geht nach Indien, um dort den Weg aus ihrer Drogensucht und damit zu sich selbst zu finden. Dort verliebt sie sich in Ngawang, der ihretwegen sein Mönchsgelübte aufgibt und mit ihr nach Berlin zieht...
5.September
21:00 Uhr

England/Deutschland 2000
Regie: Andrea Weiss und Wieland Speck
84 min Farbe und sw
Der Film erzählt die eng verflochtenen Lebensgeschichten von Klaus und Erika Mann in gekonntem Wechsel von seltenen Archivaufnahmen und Interviews mit Zeitgenossen und Spielszenen nach Texten von Klaus Mann. Ein faszinierende und vielschichtige Hommage an ein ungewöhnliches Geschwisterpaar. "Escape to Life" überschrieben beide ihr nach ihrer Flucht aus Deutschland gemeinsam verfasstes Buch zur Lage der deutschen Exilanten. Exil und Weltbürgertum blieben auch nach 1945 die bestimmenden Faktoren ihrer beider Biographien.
7.September
21:00 Uhr

Spanien 2000
Regie: Carlos Saura
102 min
Im Exil in Bordeaux blickt der 82-jährige Goya zurück auf sein bewegendes Leben als einer der einflussreichsten Maler überhaupt... auf seine Lieben und Liebschaften, seine Erfolge, die geschichtlichen Ereignissen, deren Zeuge er war und die er so genial abgebildet hat und auch auf seine Taubheit, die er mit 46 bekam und die ihn zu seinem bekannten düsteren Bildern und Visionen führte, die die Themen des 20. Jahrhunderts schon 100 Jahre vorher vorausnahmen.
Carlos Saura erweckt Goyas Bilder zum Leben, gibt der Biographie des Malers so eine unerreichte Tiefe und Eindringlichkeit und zeigt wie Künstler und Kunstwerk einander bedingen.
8.September
21:00 Uhr

Iran/Frankreich 2001
Regie: Mohsen Makhmalbaf
85 min
Als die Reise nach Kandahar entstand ahnte noch keiner etwas von der erschreckenden Aktualität, die der Film bei seinem Erscheinen haben würde. Im Mittelpunkt steht die im kanadischen Exil lebende Journalistin Nafas, die im Jahre 1999 einen Hilferuf von ihrer jüngeren Schwester aus Afghanistan erhält. Sie macht sich auf die gefährliche Reise nach Kandahar, um ihre Schwester zu retten...
Makhmalbef hat ein Roadmovie der besonderen Art geschaffen, das uns schaudern lässt aber auch Bilder von fast surrealistischer Schönheit gewährt. Es ist eine atemberaubende Abhandlung über den Menschen und die Hoffnung, über ein zerstörtes Land, das im Mittelalter gefangen ist.
