Spektakulärer literarischer Showdown auf der Insel

Poetry Slam: Sylt vs. Hamburg

20. Februar 2004

Fliegende Bauten & Macht – Organisierte Literatur presents:

Rantum/Sylt. Ein literarischer Showdown steigt am kommenden Freitag, 20. Februar, ab 20.30 Uhr, auf dem Gelände der Sylt-Quelle in Rantum: Je fünf Sylter und Hamburger Autoren treten beim 1. Sylter Poetry Slam gegeneinander an und stellen sich mit ihren Texten dem Urteil einer Publikumsjury. Erlaubt ist dabei auf beiden Seiten fast alles: Bei den Literaten selbst gezimmerte Lyrik, Gebrauchs-Prosa oder Rap-Gesang, auf Seiten der Zuhörer Jubel, Gejohle oder auch Missfallsbekundungen. Fünf Minuten hat jeder Dichter Zeit, seinen Text vorzutragen, anschließend bewertet die Jury nach eigenem Gutdünken das Gehörte – es sei denn, der Schreiberling ist zuvor schon von der Bühne gebuht worden. Während die Insel-Poeten – vertreten durch Jörn Ingwersen, Claudius Hagemeister, Axel Junker, Katharina Kress und Till Müller-Klug – mit dieser unkonventionellen Form der Dichterlesung Neuland betreten, haben ihre Gegner schon eine erste Runde dieses literarischen Boxkampfes hinter sich: In einer Vorausscheidung im Hamburger Zelt der Fliegenden Bauten konnten sich gestern Abend (Namen der Hamburger Teilnehmer noch einsetzen) durchsetzen und werden die Hansestadt nun beim Poetry Slam-Finale auf der Nordseeinsel vertreten. Ausgerichtet wird dieses Kräftemessen der Autoren von den Fliegenden Bauten, dem Macht-Club Hamburg und dem Kunst:Raum Sylt-Quelle.

Die Idee des Poetry Slam stammt aus Chicago. Dort veranstaltete der Bauarbeiter Marc Kelly Smith am 20. Juli 1986 den ersten Poetry Slam der Welt im „Green Mill Club“. Sein Gedanke: Poesie sollte nicht länger allein den Akademikern vorbehalten sein, sondern jedermanns Sache werden. War dieser Versuch, Literatur zu kommunizieren anfangs noch eine Minoritätengeschichte gewesen, sprang der Funke Mitte der 90er Jahre nach Europa und Asien über und hat sich seither zu einer weltweiten literarischen Bewegung entwickelt. Der Begriff Slam stammt aus dem Englischen, heißt eigentlich „Zuschlagen“ oder „Knall“ und steht für die Sprache der Straße. Entsprechend ist die Dichterskala beim Poetry Slam nach unten hin offen, die Form der Lesung bleibt dem Autor überlassen. Der Inhalt bietet im besten Fall zeitkritische Live-Literatur, im schlechtesten Fall qualitätsfreie Texte mit unsäglichen Metaphern. Doch da bei Slam Poetry nicht die Literatur im Vordergrund steht, gilt hier eine Vorlesung vor allem dann als gelungen, wenn eine publikumswirksame Balance aus Selbstdarstellungsdrang und Spottlust, die Interaktion zwischen Dichtern und Zuhörern gelingt.

Poetry Slam! Sylt vs. Hamburg,
20. Februar im kunst:raum sylt quelle
Beginn 20.30 Uhr
Infos/Karten (5 Euro):
Telefon 04651/201557 oder 04651/92033