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31. März 2006

»Noch erträgst du die Stadt, noch denkst du, du bist Gast für ein paar Wochen, mit der entsprechenden Narrenfreiheit, dann kommen die Depressionen, wenn sie nicht schon da sind. Das ist der Rußlandkoller, er ist unvermeidlich.«
Eine junge Frau reist in den Ural, nach Magnitogorsk, diese auf dem Reißbrett entstandene Stadt der Superlative, die auf zwei Erdteilen liegt. In der ehemals verbotenen Zone steht das weltweit größte metallurgische Kombinat, einst Prestigeobjekt Stalins. Für unbestimmte Zeit besucht sie ihren Vater, der hier als Ingenieur eine Industrieanlage errichtet. Er hat sich verändert, seine Tochter spürt das sofort. Es herrscht lähmender Stillstand auf der Baustelle, die Isolation der kleinen Gruppe deutscher Spezialisten, die vom ewigen Schnee bedeckte Weite und Eintönigkeit der Landschaft nagen an den Nerven. Die gigantischen Fabriken und grauen Wohnanlagen auf verseuchtem Boden kontrastieren mit dem Existenzwillen der Menschen, erzeugen ein permanentes Gefühl von Unwirklichkeit und Machtlosigkeit, das Denken und Fühlen beherrscht. Alte Wunden brechen auf: Am Ort der ehemaligen Waffenproduktion des Zweiten Weltkriegs kann die Vergangenheit nicht ruhen. Die einen betrinken sich oder lenken sich mit russischen Frauen ab, andere wiederum verschwinden spurlos. Auch die junge Frau fängt eine Beziehung an, zuerst flüchtig, fast bewusstlos. Rußland ist nicht nur eine emotionelle, sondern eine metaphysische Herausforderung, der sie sich stellen muss. Sie spürt, dass ihr Leben in dieser feindlichen Umgebung eine neue Bedeutung erhält.
Marion Poschmann überzeugt in ihrem zweiten Roman durch atmosphärisch dichte Beschreibungen und eine poetisch klare Sprache, die analytisch und gleichzeitig fast träumerisch die erzählten Räume erobert. Ihr besonderes Faible gilt den Randzonen und Überschneidungen von Natur und Zivilisation. Entstanden sind meisterhaft schwingende Beobachtungen eines chaotischen, undurchsichtigen, endlos weiten und schneebedeckten, in seinem stillen Gigantismus alles verschlingenden Rußland.
Pressestimmen zu Grund zu Schafen:
»Marion Poschmann bestätigt mit ihrem neuen Buch ihren Rang als vielleicht begabteste jüngere Poetin.« - Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Die 1969 in Essen geborene Marion Poschmann gilt als eine der großen Begabungen der jungen Lyriker-Generation.« - Neue Zürcher Zeitung
»Eine der größten Hoffnungsträgerinnen der jungen Lyrik.« - Frankfurter Rundschau
20.00 Uhr | 7,50 Euro
Quellenhaus Sylt-Quelle
