Konzert-Lesung | Wolf Biermann

HEIMAT

14. September 2007, 20.15 Uhr

"Erst seit meiner Ausbürgerung aus der DDR, im November 1976, als ich plötzlich weggerissen war: nicht nur von geliebten Freunden, sondern auch von vertrauten Feinden, da lernte ich in diesem doppelten Verlust das unübersetzbare deutsche Wort "Heimat". Das Unglück meines Lebens, diese Ausbürgerung, erwies sich als mein Glück: Ich wurde in der zweiten Hälfte meines Lebens ein Weltenkind. Seitdem tummeln sich meine neuen Lieder und Gedichte nicht nur im deutschen Vaterland, sondern auch im vertrauten Südfrankreich und in meiner Herzensheimat Israel. In diesem schiefen Dreieck bewege ich mich mit der neuen Tonkonserve: "Heimkehr nach Berlin Mitte" - also Heim - Heimat - Heimweh - Heimkehr."


In seinen neuen Gedichten HEIMAT schreibt Wolf Biermann "der echte Erbe Heinrich Heines" (Marcel Reich-Ranicki) über Heimat, Heimkehr und Heimweh im schiefen Dreieck von Flensburger Förde, Südfrankreich und Erez Israel. Seine Gedichte handeln von Liebe, vom lebendigen Leben mitten im Streit der Welt, von Alter und Tod. Biermann verfasst neue politische Gedichte über die gottlose Gläubigkeit eines Atheisten, Widerworte im Streit um Krieg und Frieden. Die neuen Verse des großen Dichters und Liedermachers sind sarkastisch und poetisch, böse und zart, schöne lebendig vergänglich - und dennoch haltbar und immer vital.

Wolf Biermann, geboren am 15. November 1936 in Hamburg, ist der Sohn eines kommunistischen Werftarbeiters, der 1943 im KZ Auschwitz ermordet wurde. 1953 übersiedelte Biermann in die DDR. Ab 1965 wird ein totales Auftritts- und Publikationsverbot über ihn verhängt, sowie eine Ausreisesperre nach Ost und West. Als ihm 1976 eine Tournee durch die Bundesrepublik genehmigt wird, ist das erste Konzert in Köln der Vorwand, ihn wegen "Staatsfeindlichkeit" aus der DDR auszubürgern. Wolf Biermann kehrte nach Hamburg zurück.

Wolf Biermann erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Friedrich-Hölderlin-Preis, den Heinrich-Heine-Preis, den Nationalpreis und den Georg-Büchner-Preis. Seine Gedichtbände zählen zu den meist verkauften der deutschen Nachkriegs-
literatur. Er gibt Konzerte in vielen Ländern der Welt und ist bekannt durch seine scharfzüngigen Essays, mit denen er sich in die Tagespolitik einmischt.