28. Juni 2008, 20:30 Uhr
Er kommt aus dem Nichts, dieser Jesús, sitzt einfach da auf einer Bank am Weg zur Strandsauna in Rantum, eine Plastiktüte über den Kopf gezogen. So findet ihn Muhammed, Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der unterwegs ist, um einen Holzsteg auszubessern. Im Gegensatz zu seinem neuen Bekannten ist Muhammed fest verwurzelt: auf Sylt, das er noch nie verlassen hat, in seinen Plänen, Landschaftsarchitekt zu werden, in seinem Job, in seiner Familie anatolischer Herkunft mit ihrem kleinen Restaurant in Westerland, das den Freunden als Wohnzimmer dient. Aus der zufälligen Begegnung der jungen Männer entspinnt sich eine Liebesgeschichte, die der Autor Tim Staffel als Stipendiat der Stiftung „kunst:raum sylt quelle“ 2007 in Rantum geschrieben hat und die im März 2008 erschienen ist. Natürlich kann sie nicht „gut gehen“ im Sinne eines Happy Ends. Jesús, der seinen Körper hasst, der Nähe will und nicht erträgt, der Angst und Todesgedanken mit Kiffen betäubt, ist mit Zuneigung allein nicht zu heilen. So sehr Muhammed sich bemüht, er kann den Haltlosen nicht retten, wird vielmehr selbst weggezogen von den Sicherheiten seines Lebens.
Tim Staffel, Jahrgang 1965, lebt in Berlin. Er studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen, 1998 erschien sein Debütroman „Terrordrom“, den Frank Castorf im selben Jahr für die Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz dramatisierte. 2000 folgte der Roman „Heimweh“ und 2002 „Rauhfaser“. Außerdem schreibt Tim Staffel Hörspiele, Kurzgeschichten und Theaterstücke, darunter „Alles Blau“, 2003 uraufgeführt mit Philipp Denzel und mit dem Preis der Landesbühnengruppe des Deutschen Bühnenvereins ausgezeichnet. 2005 waren die Uraufführungen seiner Stücke „Solaris“ am Staatstheater Nürnberg und „Richard III“ im Theaterhaus Jena zu sehen, 2006 inszenierte Bruno Cathomas am Theater Basel die Uraufführung von „Die Rückkehr der Engel“.