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27. Juli 2006
Lernen besteht aus einem Erinnern von Informationen, die bereits seit Generationen in der Seele der Menschen wohnen.
Sokrates
Ein Spiegel in die Seele?
Der Blick führt in den Spiegel, doch der bildet hier nicht das äußere ab sondern führt in der Zeichnung „the Mirror“ von Stephen Cone Weeks geradewegs in die Innenwelt einer rundlichen Holzfigur, die sich Alice -im –Wunderland gleich aufmacht in ein Märchenland. Der Spiegel ist eine der großen Metaphern, wenn es um die Darstellung des Inneren geht, um das Auseinandersetzen mit dem eigenen Sein und Bewusstsein.
Das kulturelle Programm „Innenwelten“ blickt in den Spiegel und zeigt künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Bewußtsein, verortet es und zeigt wie unterschiedliche Sparten mit verschiedensten Ansätzen –häufig interdisziplinär-, den Innenwelten des modernen Menschen in ihrer unendlich komplexen Vielschichtigkeit auf die Spur zu kommen. Was sich an diesem Ort abspielt, vermag nur bruchstückhaft erkannt werden und ganz sicher nicht verstanden. Es ist lediglich eine Ahnung über die Möglichkeiten des Seins durch die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Ideen und Ebenen des Bewusstseins. Alle Mitwirkenden arbeiten mit ganz unterschiedlichen Mitteln und Formen an ihrer Idee einer „Innenwelt“ , einem Weg zur Introspektion, zur psychologischen Analyse und weiterhin zu einer Dimension des Traums und der Fantasiewelt (siehe auch Wissenschaftssommer Sylt 2006, Thema: Traum und Deutung).
Eduard Stan (Klavier), Carola Guber (Mezzosopran)
Gioacchino Rossini: La Regata Veneziana
Alma Mahler: Lieder (Auswahl)
Robert Schumann: Gesänge der Frühe op. 133 (Piano Solo)
Frauenliebe und -leben op. 42
Mit der Mezzosopranistin Carola Guber und dem Pianisten Eduard Stan präsentieren zwei international renommierte Musiker ein Liedprogramm zum Thema "Innenwelten".
Während Rossini in "La Regata Veneziana" das Gefühlserleben der Anzoleta im Zuge einer Regatta-Teilnahme ihres Liebsten in Töne setzt, geben die Lieder der Komponistin Alma Maria Schindler-Mahler ein tragisch anmutendes Zeugnis unterdrückter Innenwelten: Als Gattin in spe des berühmten Gustav Mahler musste Alma diesem nach der Verlobung versprechen, ihr eigenes künstlerischen Schaffen zugunsten der Musik ihres Ehemannes aufzugeben. (Gustav schrieb 1901 aus Dresden: "Ist es Dir nicht möglich, von nun an meine Musik als die Deine anzusehen? Wie stellst Du Dir so ein komponierendes Ehepaar vor?"...)
Schumanns "Gesänge der Frühe" sind zwar auf dem Klavier vorzutragen, bereichern jedoch kraft ihres Titels jedes Liedprogramm. Das Werk erscheint wie ein bewegender Abgesang einer zwiespältigen Seele, stürzte sich diese doch unmittelbar nach Fertigstellung für den Druck in einem Selbstmordversuch in den Rhein... Robert stirbt drei Jahre später, sein
Todestag jährt sich in diesem Jahr zum 150. Mal. Diesen Fragmenten simultanen Aufbäumens und Ermattens folgt mit "Frauenliebe und -Leben" (nach Gedichten von Chamisso) einer der beliebtesten Liederzyklen Schumanns. Wir nehmen wiederum Anteil an den Innenwelten einer Verliebten: vom eröffnenden "Seit ich ihn gesehen, glaub' ich blind zu sein" spannt sich der Bogen zum Schlusslied, wo ihre letzten Worte mit "Ich zieh mich in mein Innerstes still zurück..." beginnen.
