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30. Dezember 2005


Erna, Grete und Mariedl treffen sich zum Kaffeeklatsch in der Wohnküche. Aber sie unterhalten sich nicht, sie monologisieren. Darüber, wie die Welt ist und darüber, was das Leben für sie an Herrlichkeiten hätte
bereithalten sollen. Sie phantasieren sich aus ihrer Trostlosigkeit in den Größenwahn, die beiden Rentnerinnen - Erna, die Sparsame und Grete, die Lebenslustige - und die demütige Klofrau Mariedl, Spezialistin für verstopfte Toiletten.
Für Freitag, 30. Dezember, um 20 Uhr, holt die Sylt-Quelle eine erfolgreiche Berliner Produktion von Werner Schwabs „Die Präsidentinnen“ in die Lagerhalle am Rantumer Hafen. In einer Inszenierung von Antje Schnellert spielen Inge Sievers (Erna), Heike Reichenwallner (Grete) und Irene Holzfurtner (Mariedl). Die Berliner Kritiker waren begeistert von Inszenierung und Darstellerinnen, das Stadtmagazin „Zitty“ schrieb sogar von einem beglückenden Abend, wie man ihn selten im Theater erlebe.
Beglückend heißt aber sicher nicht beschaulich. Werner Schwab (1958-1994), Dramatiker aus Graz, nannte sein Stück selbst ein „Fäkaliendrama“. Seine künstliche und zugleich deftige Sprache entlarvt den „Lebensschmutz“, die Bigotterie, die Gemeinheit, das Verdrängte, indem sie sie ins Absurd-Monströse vergrößert. Reichlich komisch sind diese eineinhalb Stunden, aber das Lachen bleibt manches Mal im Halse stecken. Die Präsidentinnen, hat Schwab geschrieben, das seien „Leute, die glauben, alles zu wissen, über alle zu bestimmen. Ich stamme aus einer Präsidentinnen-Familie.“
Lagerhalle Sylt-Quelle, Hafenstraße 1
Eintritt 10 Euro, Karten an der Abendkasse
