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15.09.2007, 20.15 Uhr
von Aglaja Veteranyi
Mit: Gilla Cremer
Regie: Dominik Günther
Das Leben einer Artistenfamilie, von Aglaja Veteranyi aus persönlicher Erfahrung in ihrem Roman "Warum das Kind in der Polenta kocht" verarbeitet, mag zwar wild und bunt sein, ist aber immer auch gefährdet und nah am Tod. Nach dem zweiten Roman 2002 hatte sich Anglaja Veteranyi 40-jährig das Leben genommen.
"Dies ist das erstaunlichste Buch, das mir in den letzten Jahren begegnet ist. Hier schreibt eine Artistin auf hohem Seil, und ich schaue ihr von unten zu, und mir stockt der Atem", schrieb Peter Bichsel über den hoch gelobten und stark autobiografisch gefärbten Roman "Warum das Kind in der Polenta kocht".
Aus der Sicht eines Mädchens erzählt Aglaja Veteranyi die Geschichte einer Zirkusfamilie, die aus dem diktatorischen Rumänien flieht. Die Heimat kennt das Kind "nur vom Riechen". Mit einem großen Koffer tingelt die Familie nun durch die reichen westeuropäischen Länder: "Wir wohnen immer woanders" und "Wir dürfen nichts liebgewinnen". Nur der Wohnwagen gewährt der Artistenfamilie ein wenig zuhause: "Ich öffne die Tür vom Wohnwagen so wenig wie möglich, damit das Zuhause nicht verdampft."
Aglaja Veteranyi erzählt von einem Zirkus der zärtlichen Grausamkeit, von der eigenwilligen Weltsicht eines entwurzelten Kindes und vom zerplatzenden Traum eines besseren Lebens im Westen: "Meine Mutter sagt, hier ist alles besser, und weint." In sinnlichen Poesiefetzen und in einer Vielzahl von grotesk explodierenden Bildern zeigt Aglaja Veteranyi eine Welt, in der unendliche Traurigkeit und Lachen nicht nur nahe beieinander liegen, sondern in einem Moment zusammenschießen: "Im Zirkus lächeln die Leute beim Sterben".
GILLA CREMER. Nach dem Abitur studierte Gilla Cremer von 1977-1980 in Austin/Texas, in New York und auf Bali Modern Dance, Maskentanz, Kung-Fu und Masken-Schnitzerei. Ihre ersten Theatererfahrungen sammelte sie an der "Internationalen Schule für Theateranthropologie - ISTA" in Bonn, Volterra, Bologna und Holstebro unter der Leitung von Eugenio Barba/Odin Teatret. 1981 war sie Gründungsmitglied der Freien Gruppe "Theater Tilbut" in Frankfurt. Schauspielunterricht bei Günther Einbrodt (Tabori Gruppe), Ingemar Lind, Werner Schroeter, Augusto Fernandez u.a. Seit 1987 arbeitet sie hauptsächlich als Solistin und geht mit ihren "Theater Unikaten" im In- und Ausland auf Gastspielreisen. Von 2001 bis 2003 gastiert sie am Thalia Theater Hamburg in "Damen der Gesellschaft". Zu ihren selbstverfassten Monologen gehört die "Trilogie des Ver-Sprechens": "Die Kommandeuse" (Teil I), "Morrison Hotel" (Teil II) und "m.e.d.e.a." (Teil III).
