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07.08.2007, 20.15 Uhr
Einmal wenigstens will sie ihren geliebten Söhnen das Meer zeigen. Denn am Meer ist die Welt zu Ende, das Meer ist für alle da, und das Meer kann doch keine Enttäuschung sein. Nicht noch eine. Derer gab es nämlich schon so viele im Leben dieser Frau, die ihre Söhne allein erzieht, deren Geld nicht reicht, die überfordert ist und in Depression gerutscht, die von Sozialarbeitern oder Lehrern nichts zu hören bekommt als Vorwürfe. Die Reise, das ahnt der Leser von Véronique Olmis Debütroman „Meeresrand“ schnell, wird kein gutes Ende nehmen.
Die Schauspielerin Gilla Cremer, die seit 1987 hauptsächlich mit Soloprogrammen auftritt, sicherte sich die Rechte für die deutsche Erstaufführung und spielte 2003 in Hamburg zum ersten Mal „Meeresrand“, das Autorin Olmi selbst fürs Theater eingerichtet hat. Die Rezensionen der Aufführungen in den Zeitungen diverser Städte gleichen sich: Erst nach minutenlangem Schweigen habe das Publikum applaudiert am Ende des intensiv und unsentimental gespielten Monologes mit Cellobegleitung. So beklemmend ist das anscheinend unausweichliche Grauen. Die Mutter nämlich fährt tatsächlich Am Rand ans Meer mit den beiden Söhnen. Die letzten Notgroschen hat sie dafür zusammengesucht, aber schon die Fahrt mit dem Bus ist nicht von Vorfreude, sondern von Regen und Schmerzen bestimmt. Das Meer ist nicht blau, sondern schmutziggrau. Der Strand eine Schlammwüste. Das Hotelzimmer ist bei weitem nicht so komfortabel wie im Fernsehen. Die Mutter versucht die Situation für die Jungs aufzuhellen, ein Witz hier, eine Bestärkung dort. Doch sie sieht trotz aller Liebe keinen Ausweg mehr, meint die Kinder nur beschützen zu können vor zukünftiger Einsamkeit und Scham, indem sie sie tötet. Wäre das zu vermeiden gewesen? Wo waren die anderen, die Sozialarbeiter und Lehrer, die Nachbarn, haben sie Fehler gemacht? Das Stück gibt keine Antwort und weist keine Schuld zu. Es versetzt sich und den Zuschauer ganz subjektiv und immer tiefer in die Sicht dieser Frau auf ihr eigenes, ganz alltägliches Elend.
